Der Crash kommt erst morgen: Long Covid, Post-Vac & ME/CFS verstehen

Pacing und psychotherapeutische Begleitung bei Long Covid, Post-Vac und ME/CFS

Christliche Psychotherapie online – deutschsprachig weltweit

KENNST DU DAS?
Gestern war ein guter Tag. Du hast gekocht, mit einer Freundin telefoniert und ein bisschen aufgeräumt. Heute liegst du da und kannst kaum den Arm heben. Und irgendwo meldet sich eine Stimme: „Stell dich nicht so an.“ Vielleicht kommt sie von außen, vielleicht aus dir selbst. Vielleicht hast du auch schon bei mehreren Ärztinnen und Ärzten gehört, dass „alles unauffällig“ sei.
In diesem Beitrag erfährst du, was hinter Long Covid, Post-Vac und ME/CFS stecken kann, warum der Zusammenbruch oft erst am nächsten Tag kommt – und was psychotherapeutische Begleitung leisten kann und was nicht.
Eine Frau ruht in eine helle Decke gehüllt im warmen Morgenlicht auf dem Sofa.
Drei Namen, ein ähnliches Bild

Die Begriffe überschneiden sich, und das macht es schwer, den Überblick zu behalten. Hier die Kurzfassung:

Long Covid
Beschwerden, die länger als vier Wochen nach einer Corona-Infektion bestehen oder neu auftreten. Bei vielen klingen sie nach einigen Monaten ab, bei anderen bleiben sie.
Post-COVID-Syndrom
Die Beschwerden halten mindestens zwölf Wochen an (bei Kindern und Jugendlichen acht Wochen) und lassen sich nicht anders erklären.
Post-Vac
Beschwerden im zeitlichen Zusammenhang mit einer Corona-Impfung, die dem Post-COVID-Syndrom oder ME/CFS ähneln. Es gibt bisher keine einheitliche Leitliniendefinition, die Ursachen werden noch erforscht.
ME/CFS
Eine eigenständige, schwere chronische Erkrankung, die häufig nach einer Infektion beginnt. Schätzungen zufolge erfüllt ein Teil der Menschen mit Post-COVID im Verlauf die Kriterien (genannt werden etwa 10 bis 20 Prozent).
WICHTIG
Eine Diagnose stellen Ärztinnen und Ärzte – nicht wir und nicht ein Online-Test. Wenn du dich hier wiedererkennst, ist die Hausarztpraxis eine gute erste Anlaufstelle.
Was im Körper passieren könnte

Die Forschung läuft auf Hochtouren. Diskutiert werden unter anderem Fehlsteuerungen des Immunsystems, Veränderungen an kleinen Blutgefäßen, Entzündungsvorgänge im Nervensystem, eine gestörte Energieversorgung der Zellen und eine Fehlsteuerung des vegetativen Nervensystems. Das ist der Teil, der Puls, Kreislauf und Verdauung regelt. Wie diese Faktoren zusammenspielen, ist noch nicht abschließend geklärt – bei Post-Vac noch weniger als bei Long Covid.

Was du daraus mitnehmen kannst: Deine Beschwerden sind kein Zeichen von Schwäche und keine Einbildung. Und dass Routinewerte oft unauffällig sind, heißt nicht, dass nichts da ist.

Der Crash kommt erst morgen

Das typische Merkmal heißt Post-Exertionelle Malaise, kurz PEM. Gemeint ist: Nach einer Anstrengung, die oft klein wirkt, verschlechtern sich fast alle Beschwerden deutlich. Das geschieht häufig nicht sofort, sondern 12 bis 48 Stunden später, und es kann Tage, Wochen oder länger dauern.

Auslöser können sehr unterschiedlich sein:

  • körperlich: duschen, einkaufen, ein kurzer Spaziergang
  • geistig: lesen, Bildschirm, ein längeres Telefonat
  • seelisch: Streit, Aufregung, manchmal sogar ein schöner Besuch
  • durch Reize: Licht, Lärm, Gerüche

Warum das so wichtig ist: Deutsche und internationale Leitlinien raten bei PEM von aufbauendem Training ab, das „gegen die Erschöpfung antrainieren“ soll. Es kann den Zustand verschlechtern. Das ist keine Schonhaltung und keine Faulheit, sondern ein Schutz. Sprich Bewegungsprogramme deshalb immer vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.

Pacing – mit der Kraft haushalten

Das Wort kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „das Tempo einteilen“. Gemeint ist, alle Aktivitäten so zu planen, dass du deine Grenze nicht überschreitest – bei Körper, Denken und Gefühlen.

1
Früher aufhören
Eine Faustregel vieler Betroffener: Hör auf, solange du noch etwa die Hälfte deiner gefühlten Kraft hast.
2
In kleine Schritte teilen
Zerlege Aufgaben und plane feste Pausen ein, auch wenn du dich gerade gut fühlst.
3
Reizpausen einlegen
Gönn dir mehrmals am Tag 10 bis 15 Minuten Ruhe ohne Handy, Fernseher und Musik.
4
Warnsignale ernst nehmen
Muskelzittern, Benommenheit oder Herzrasen sind ein Zeichen: Jetzt aufhören und ausruhen.

Das klingt einfach. Es ist es nicht. Wer früher viel geleistet hat, hört oft zu spät auf und fühlt sich dabei schuldig. Genau hier kann Begleitung helfen.

Was Psychotherapie leisten kann – und was nicht
DER GRUNDSATZ VORAB
Psychotherapie heilt nicht die körperlichen Ursachen und ersetzt keine ärztliche Behandlung. Sie ist eine Begleitung: Sie kann stabilisieren, entlasten und dir helfen, mit den Folgen im Alltag zurechtzukommen.
Wir stellen keine körperlichen Diagnosen und behandeln nicht die körperliche Erkrankung. Voraussetzung für unsere Begleitung ist, dass deine Beschwerden ärztlich abgeklärt sind oder abgeklärt werden.
Pacing-Empfehlungen im Alltag umsetzen
Wir unterstützen dich dabei, ärztliche Empfehlungen zum Energiemanagement im Alltag umzusetzen: eigene Grenzen ohne Schuldgefühle wahrnehmen, innere Ansprüche anschauen und Warnsignale früher ernst nehmen.
Ernst genommen werden
Viele erleben eine lange Arztsuche und hören am Ende, es sei „psychisch“. Das verletzt. Bei uns musst du nichts beweisen. Die medizinische Einordnung bleibt bei den Ärztinnen und Ärzten.
Trauern dürfen
Beruf, Hobbys, Pläne, das frühere Ich – vieles ist weggebrochen. Es darf wehtun. Methoden der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) helfen, den Verlust anzuschauen und trotzdem das auszurichten, was dir wichtig ist.
Herzrasen nicht vorschnell als Angst deuten
Wenn dir im Stehen schwindelig wird und dein Puls rast, kann das ein körperliches Geschehen sein, das ärztlich abgeklärt gehört (zum Beispiel PoTS). Dann üben wir keine Angstkonfrontation, sondern beruhigen über den Körper. Du darfst bei uns jederzeit liegen.
Grenzen ziehen
Gegenüber Familie, Arbeitgeber und Ämtern. Und: Regelmäßiger Kontakt kann vor Einsamkeit und Verzweiflung schützen.
Warum Depressions-Fragebögen oft danebenliegen

Standardfragebögen wie der PHQ-9 fragen nach Energieverlust, Schlafproblemen, Verlangsamung und Konzentrationsschwäche. Das sind genau die Beschwerden, die bei Long Covid und ME/CFS aus körperlichen Gründen vorkommen. So landen Betroffene schnell im „depressiven Bereich“, obwohl die Ursache eine andere ist.

Ein Unterschied, der oft hilft: Bei einer Depression gehen häufig Interesse und Freude verloren, dazu kommt oft starke Selbstabwertung. Bei Long Covid und ME/CFS ist der Wunsch, etwas zu tun, meist groß – es fehlt die Kraft.

Beides kann aber zusammen auftreten. Eine lange Krankheit, Verluste und das Gefühl, nicht geglaubt zu werden, machen traurig und mutlos. Das nehmen wir genauso ernst. Deshalb fragen wir im Gespräch nach und schauen genau hin, statt zu schnell zu etikettieren.

Wo ist Gott, wenn der Körper nicht mehr kann?

Vielleicht fragst du dich das. Oder du hörst gut gemeinte Sätze wie „Du musst nur mehr glauben“ oder „Das hat bestimmt einen Sinn“. Sie tun oft weh. Krankheit ist keine Strafe und kein Beweis für zu wenig Glauben. Als Jesu Jünger fragen, wer schuld daran ist, dass ein Mensch blind geboren wurde, weist Jesus die Schuldfrage zurück (Johannes 9,2–3).

Die Bibel zeigt, wie Gott mit Erschöpften umgeht. Der Prophet Elia ist am Ende seiner Kräfte. Er bekommt keinen Trainingsplan, sondern Schlaf, Brot und Wasser. Ein Engel rührt ihn an, lässt ihn essen, trinken und wieder schlafen und erinnert ihn daran, dass der Weg noch weit ist (1. Könige 19,5–8). Jesus sagt seinen Jüngern, die kaum zum Essen kommen: Geht an einen einsamen Ort und ruht ein wenig (Markus 6,31). Und er lädt alle ein, die sich abmühen und beladen sind, zu ihm zu kommen (Matthäus 11,28). Der Heilige Geist wird in der Bibel Tröster genannt (Johannes 14,16.26).

Du darfst Gott deine Fragen, deine Wut und deine Müdigkeit hinhalten. Wir versprechen keine Heilung. Wir versprechen, dass du nicht allein bleibst.

Vor Ort oder online – je nach Tagesform

Wir planen Pausen ein und richten das Tempo nach deiner Tagesform. Eine Sitzung dauert mindestens 60 Minuten.

In der Praxis in Lauf an der PegnitzOnline per Video
AnkommenDu kommst in geschützter Atmosphäre an und planst Anreise und Zeit ohne Druck.Du bleibst zu Hause, ohne Fahrweg – besonders schonend an kraftlosen Tagen.
Reize und HaltungReizarmer Raum mit gedimmtem Licht. Du darfst sitzen oder liegen.Du wählst Raum, Licht und Haltung selbst – auch auf dem Sofa oder im Bett.
TempoRuhiges Tempo mit Pausen und Ruhemomenten.Ruhiges Tempo mit Bildschirmpausen und Auszeit nach Bedarf.
Wenn es dir schlechter gehtBei kurzfristiger Absage gilt unsere Kulanzregelung: Wir versuchen, dir einen Ersatztermin in derselben Kalenderwoche anzubieten.Dieselbe Kulanzregelung gilt für Termine per Video.

Die Einzelheiten zu Absagen findest du auf der Seite Preise und Anmeldung.

Wenn du Angehörige oder Angehöriger bist
  • Glaub ihr oder ihm. Dass man von außen wenig sieht, heißt nicht, dass wenig da ist.
  • Trag das Pacing mit. Dränge nicht zu „nur einem kleinen Spaziergang“. Hilf, Pausen und Grenzen einzuhalten.
  • Halte Reize klein. Kurze, angekündigte Besuche, wenig Lärm, gedimmtes Licht.
  • Hol dir selbst Unterstützung. Auch Angehörige tragen viel. Du darfst dich bei uns melden.
Wann du schnell Hilfe brauchst
Notruf 112 bei Brustschmerzen, starker Atemnot, Ohnmacht, Lähmungen oder plötzlichen Seh- oder Sprachstörungen.
TelefonSeelsorge 0800 111 0 111 (kostenlos, rund um die Uhr), wenn du dich seelisch am Ende fühlst oder nicht mehr leben möchtest. Bei akuter Gefahr wähle 112. Melde dich danach gern auch bei uns.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose, Beratung oder Behandlung.
„Du musst dir deine Pause nicht verdienen.“
 
Du musst das nicht allein tragen
Wir begleiten dich online und vor Ort in Lauf an der Pegnitz – deutschsprachig weltweit.

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DAZU ZWEI LIEDER
Wenn du dich ausruhen darfst, ohne es dir zu verdienen, und wenn du dich nicht verstanden fühlst: Gott liebt dich, bevor du etwas tust. Lied „Geliebt, bevor ich etwas tue“ anhören ›
Lied „Die Sprache meines Körpers“ anhören ›
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