Wenn Erziehung die Partnerschaft belastet: So werdet ihr wieder ein Eltern-Team
Wutanfälle der Kinder, Vorwürfe und Rückzug: Elternkonflikte in der Ehe verstehen
Traumasensible Paartherapie online – deutschsprachig weltweit
Eine Situation, die wir in unserer Praxis häufig erleben: Beide Partner sind berufstätig, er in Vollzeit, sie in Teilzeit. Gemeinsam erziehen sie Kinder mit einem starken eigenen Willen, die ihre Grenzen im Alltag kräftig austesten.
Sobald die Kinder schreien, toben oder einen Wutanfall bekommen, passiert bei der Mutter etwas Entscheidendes: Sie hält die Lautstärke und das Chaos kaum aus. Ihr inneres Stressbarometer schießt in den roten Bereich. Um das Unbehagen zu beenden, will sie die Situation sofort lösen, die Wut abfangen, beschwichtigen oder nachgeben.
Der Vater wirkt dagegen ruhig. Doch je mehr seine Frau hochdreht, desto mehr hält er sich zurück und wird still. Bei ihr kommt das als Im-Stich-Lassen an: „Du lässt mich mit den Kindern völlig allein! Du greifst nie durch!“ Er hört darin nur: „Du machst es sowieso falsch.“ Und zieht sich noch weiter zurück.
Das Ergebnis: Statt als Team aufzutreten, steht ihr euch als Gegner gegenüber. Übrigens: Die Rollen können genauso gut umgekehrt verteilt sein. Entscheidend ist nicht, wer welche Rolle spielt, sondern das Muster, in dem ihr beide gefangen seid.
Aus Sicht der traumasensiblen Paartherapie (TSPT) liegen solchen Belastungen oft unbewusste Muster zugrunde. Vier davon begegnen uns besonders häufig:
Oft hat dieser Alarm seine Wurzeln in der eigenen Kindheit. Wer selbst in einem Zuhause aufgewachsen ist, in dem es laut, unberechenbar oder bedrohlich wurde, wenn jemand wütend war, hat früh gelernt: Starke Gefühle bedeuten Gefahr. Vielleicht musste einer von euch schon als Kind für Ruhe sorgen, die Stimmung der Eltern im Blick behalten oder allein mit den eigenen Gefühlen zurechtkommen, weil niemand sie aufgefangen hat. Wenn heute das eigene Kind schreit und tobt, kann genau diese alte Erfahrung wieder angestoßen werden. Der Körper reagiert dann nicht auf das Kind von heute, sondern auf die Angst und Ohnmacht von damals. Herzrasen, Enge in der Brust oder der Impuls, sofort einzugreifen, sind dann keine Überreaktion, sondern ein Echo der eigenen Geschichte. Das zu verstehen, entlastet: Nicht ihr versagt als Eltern, sondern ein verletzter innerer Anteil meldet sich. Wie solche Auslöser im Körper wirken, zeigt unsere Körperkarte zu Trauma-Auslösern. Warum auch heftiger Ärger oft aus alten Verletzungen stammt, erklärt Warum deine heutige Wut oft eine alte Geschichte erzählt.
Mehr dazu, wie unser „Reptiliengehirn“ in Stressmomenten übernimmt, lest ihr in Im Streit spricht nicht dein Partner.
Ein Wutanfall ist meist kein Notfall, sondern ein Gefühlsausbruch aus Frustration, oft verstärkt durch Müdigkeit oder Hunger. Eure Kinder brauchen dann keine sofortige Lösung, sondern Eltern, die ruhig bleiben, die Grenze halten und das Gefühl trotzdem begleiten. Ihr dürft sagen: „Ich sehe, dass du gerade sehr wütend bist. Und die Antwort bleibt trotzdem Nein.“ Beides zusammen gibt Halt.
Ist ein Kind von ADS oder ADHS betroffen, wird die Belastung für euch als Eltern oft noch einmal deutlich größer: Gefühle schlagen schneller und heftiger aus, Grenzen müssen viel häufiger gehalten werden, und eure Geduld wird jeden Tag aufs Neue auf die Probe gestellt. Umso wichtiger ist es, dass ihr euch abstimmt und einander bewusst entlastet, statt euch gegenseitig Vorwürfe zu machen. Nicht selten erkennt sich dabei auch ein Elternteil selbst wieder. Mehr dazu lest ihr in ADS und ADHS bei Erwachsenen.
Um aus dieser Schleife herauszufinden, braucht es nicht mehr Anstrengung, sondern eine neue Art der Abstimmung und Beruhigung:
In der Bibel heißt es: „Zwei sind besser dran als einer allein … Fällt einer von ihnen, so hilft ihm der andere auf … und eine dreifache Schnur reißt nicht so leicht“ (Prediger 4,9–12). Gott Vater hat euch einander nicht als Gegner zur Seite gestellt, sondern als Gefährten, die sich gegenseitig aufhelfen.
Die „dritte Schnur“ in eurer Ehe darf Jesus selbst sein. Wenn ihr gemeinsam um Geduld und Weisheit bittet, müsst ihr nicht alles aus eigener Kraft schaffen. Und der Heilige Geist kann euch helfen, im Lärm des Alltags den anderen wieder als Verbündeten zu sehen.
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