Warum Befreiungsdienst oft nicht heilt, sondern verletzt
In christlichen Gemeinden wird das Thema Heilung oft sehr ernst genommen. Wenn Menschen unter hartnäckigen Ängsten, zerstörerischen Verhaltensweisen oder inneren Stimmen leiden, wird in manchen Kreisen der „Befreiungsdienst" als Lösung angeboten. Die Idee: Eine dunkle Macht blockiert den Betroffenen und muss „ausgetrieben" werden.
Doch in der traumasensiblen psychologischen Praxis erleben wir immer wieder die verheerenden Folgen dieser gut gemeinten, aber oft fatalen Fehleinschätzung. Menschen kommen zu uns, völlig verzweifelt, weil sie nach wiederholten Gebeten und Befreiungsdiensten immer noch nicht „frei" sind. Schlimmer noch: Sie fühlen sich oft noch beschämter und spirituell wertloser.
Wenn ein Erlebnis — oft in der Kindheit — so schmerzhaft ist, dass wir es nicht aushalten können, greift unsere Psyche zu einem brillanten Notfallplan: der Dissoziation. Die Psyche „spaltet" das unerträgliche Gefühl ab. Dieser Anteil wird „weggepackt", damit wir im Alltag weiter funktionieren können.
Wenn wir versuchen, einen verletzten oder schützenden Persönlichkeitsanteil „auszutreiben", geschieht Folgendes:
Der traumasensible Weg zur Heilung sieht radikal anders aus. Es geht nicht um Beseitigung, sondern um Integration. Diese scheinbar bedrohlichen Anteile sind keine fremden Eindringlinge — es sind Aspekte unserer eigenen Seele, die in der Zeit eingefroren sind und eine Schutzfunktion übernommen haben.
In der Arbeit mit Trauma begegnet uns oft eine tiefe Sehnsucht nach Ganzheit, die schon vor Jahrtausenden in den biblischen Texten festgehalten wurde. In Jesaja 61,1 lesen wir von der zentralen Mission des Messias:
Wenn wir uns das hebräische Original genauer ansehen, gewinnt dieser Vers eine radikale, traumasensible Tiefe. Das Wort für „zerbrochen" (shabar) bedeutet wörtlich „zerbrochen, zerschlagen, in Stücke gebrochen". Es ist das präzise biblische Bild für jene Fragmentierung, die wir heute als Dissoziation oder Abspaltung verstehen.
Gott sieht deine traumatisierten Teile deiner Seele nicht als „Feinde" oder „Besetzungen" an, die es loszuwerden gilt.
Es bedeutet, sie zu verbinden — die Scherben deiner Seele liebevoll aufzusammeln und sie wieder in dein ganzes Sein einzufügen (Integration).
Wahre Befreiung ist die Einladung an diese „gefangenen" Anteile, aus der Isolation des Schmerzes zurück nach Hause zu finden.
Gott möchte nichts amputieren. Er möchte integrieren — GANZ machen!
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