Traumatherapie und Traumabegleitung

Ein Trauma kann viele Ursachen haben. Furchtbare Erlebnisse oder schreckliche Ereignisse, Verluste, Krankheit wie auch schlimme Erfahrungen, die Menschen über einen kürzeren oder längeren Zeitraum erlebt haben können traumatisierend wirken.

Manchmal wachsen Menschen in extrem belastenden oder dysfunktionalen Familiensystemen auf. Sie erleben Gebrauch und Missbrauch, Vernachlässigung, Missachtung oder sogar Bestrafung. Als Kind erhielten sie einfach nicht die liebevolle und fürsorgliche Zuwendung die sie gebraucht hätten um für das Erwachsenenleben gut gerüstet zu sein.

Als Trauma bezeichnet man somit die Reaktion eines Menschen auf ein Ereignis oder Geschehen. Ein Trauma erschüttert das Selbstbild, das Weltbild sowie das Gottesbild einer Person.

Was verstehen wir unter Trauma

Die menschliche Seele kann vieles verkraften. Jedoch kann uns ein einzelnes schreckliches Ereignis so außerordentlich bedrohen, dass wir dadurch aus unserer gewohnten Bahn geworfen werden.

Manche von uns mussten furchtbare oder sogar grausame Dinge über einen Zeitraum hinweg ertragen, Dinge, die Menschen eigentlich gar nicht aushalten können.

In der Kindheit waren Eltern emotional nicht oder nur eingeschränkt zugänglich, konnten nur unzureichend auf unsere Bedürfnisse eingehen oder vernachlässigten uns sogar. Manche erlebten Gewalt als täglichen Begleiter.

In einem so dysfunktionalen Umfeld können sich Kinder nicht gut entwickeln. Allein der Mangel an emotionaler Zuwendung, Liebe und Fürsorge in der Kindheit kann einen Menschen bereits nachhaltig traumatisieren und zwar bis weit in das Erwachsenenalter hinein.

Wird unsere Seele über ihre Grenzen hinaus strapaziert, brechen Schutzmechanismen zusammen und es kommt zu einer kompletten Überforderung der Psyche. Das Schlimme, das Schreckliche, das Furchtbare, das Unaussprechliche kann nicht mehr bewältigt und verarbeitet werden. Menschen erleben sich als hilflos ausgeliefert, ohnmächtig und schutzlos preisgegeben. Als Folge daraus entwickelt sich ein Trauma.

Welche Arten von Traumatas gibt es

Traumatas werden unterschiedlich kategorisiert, z.B. in
Typ A und Typ B.

Typ A: Traumatas, die mit der Abwesenheit von den für die gesunde Entwicklung eines Kindes notwendigen wichtigen Dinge zu tun haben.
Darunter fallen u.a. Vernachlässigung von Babys und Kleinkindern, Entzug von emotionaler Zuwendung und Präsenz, Fürsorge und Liebe, Verlusterleben sowie ausgeprägte Bindungsprobleme (zu einem oder zu beiden Elternteilen).
Mögliche Ursache: Ein oder beide Elternteile sind selbst traumatisiert oder psychisch krank.

Typ B (bad things happen) bezieht sich auf schlimme Dinge, die uns Menschen passieren können wie:
Unfälle, Überfall, sexualisierte und häusliche Gewalt, Vergewaltigung, Krieg, Krankheiten, Naturkatastrophen, Verfolgung aufgrund von ethnischer oder religiöser Zugehörigkeit …

Um diese traumatischen Erlebnisse oder Erfahrungen besser verarbeiten zu können, benötigt es gemäß dem heutigen Kenntnisstand der Psychotraumatologie eine besondere Therapieform - die Traumabegleitung bzw. die Traumatherapie.

Wie wirkt sich ein Trauma aus

Die Folgen von Traumatas sind vielfältig. Da das schlimme Ereignis oder Geschehen im Gehirn nicht richtig verarbeitet werden konnte, bleiben Inhalte des traumatischen Geschehens bruchstückhaft im Traumagedächtnis stecken.

Auslösereize, sogenannte Trigger, führen dazu, dass Erinnerungen oder Erinnerungsfetzen plötzlich im Alltags-Erleben auftreten. Dies können z.B. Geräusche, Gerüche, Bilder, Körperempfindungen o.ä. sein. Manchmal zeigen sich ganze Sequenzen des traumatischen Erlebens, die als Flashbacks bezeichnet werden.

Diese bruchstückhaften Erinnerungen fühlen sich im Alltag dann real an. Sie werden als ein Hier-und-Jetzt-Erleben wahrgenommen und wirken äußerst beängstigend und belastend.

Weitere Symptome:

Traumatisierte Menschen kämpfen häufig mit Ängsten, erhöhter Wachsamkeit und Schreckhaftigkeit, Übererregbarkeit, Reizbarkeit, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, verminderter Belastbarkeit.

Sie erleben sich von ihren Gefühlen abgeschnitten, fühlen sich schnell überfordert und versuchen sich durch sozialen Rückzug zu schützen.

Depression, Suchterkrankungen sowie Essstörungen sind häufige Begleiterscheinungen einer Traumafolgestörung.

Manche Menschen neigen zu Selbstverletzung, selbstschädigendem Verhalten sowie zu Suizidalität. Das Leben erscheint dann oft leer und sinnlos.

Die seelische Not kann sich auch auf den Körper verlagern und unterschiedliche körperliche Schmerzen verursachen. Auch unser Körper speichert Erinnerungen an ein Trauma, die sich später in Form eines schmerzhaften Körper-Erlebens bemerkbar machen.

Ursache von somatoformen Störungen können somit auch Traumatas sein.

Welche Diagnosen werden gestellt

Typische Diagnosen von Traumafolgestörungen sind:

  • Akute Belastungsreaktion
  • Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
  • (komplexe) Posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS nach ICD-11)
  • Borderline-Persönlichkeitsstörung
  • Dissoziative Identitätsstörung (DIS)
  • Depression
  • Angststörung
  • Somatisierungsstörungen

Vorgehen in der Traumabegleitung

Schwerpunkt sowie Dauer der Behandlung hängen von der Art der erlebten Traumatas ab.

Ein Monotrauma (z.B. Unfall, Naturkatastrophe … ) kann bereits nach einer kurzen Stabilisierungsphase durchgearbeitet werden.

Länger anhaltende sowie mehrfache, traumatisierende Erfahrungen in der Biographie, besonders jene aus der Kindheit, bezeichnet man als komplexe Traumatisierungen. Diese erfordern ein besonderes traumaspezifisches Vorgehen, welches in fünf Etappen unterteilt wird, wobei diese in zyklischen Prozessen durchlaufen werden.

Etappe 1: Stabilisierung und Ressourcenaufbau
Zu Beginn der Traumabegleitung arbeiten wir an Ihrer Stabilität, da diese Voraussetzung für die Aufarbeitung des Traumas ist.

Ihre Ressourcen und Kompetenzen beziehen wir als Ihre persönlichen Kraftquellen mit ein. Diese stellen ein unverzichtbares Gegengewicht dar zu den schrecklichen Erfahrungen und bilden ein starkes Fundament auf dem sich Ihr »stabiles Lebenshaus« bauen lässt. Gerade der christliche Glaube sowie die persönliche Gottesbeziehung kann hier als wertvolle Ressource mit einbezogen werden.

Etappe 2: Innere und äußere Sicherheit
Leben Sie in einem sicheren Umfeld? Fühlen Sie sich sicher in Ihrer Wohnung, an Ihrem Arbeitsplatz?

Wie schaut es in Ihrer Seele aus? Haben Sie Angst, sich dem zuzuwenden, was in Ihnen vorgeht? Kreative Techniken sowie Distanzierung und Reorientierung helfen Ihnen sich Schritt für Schritt Ihrem Inneren zuzuwenden.

Wir arbeiten mit Ihnen daran, sichere Orte im Außen wie auch in Ihrem Innenleben zu schaffen. Imaginationsübungen helfen dabei, im Inneren Wohlfühlorte zu gestalten um aufzutanken und Ängste besser bewältigen zu können.

Das innere Chaos löst sich damit mehr und mehr auf. Es wird ruhiger in der Seele.

Etappe 3: Arbeit mit dem Inneren
In dieser Etappe wenden wir uns bewusst den verletzten und vernachlässigten Bereichen in Ihrer Seele zu. Auch dysfunktionale Schutz- und Abwehrmechanismen werden herausgearbeitet und mit verschiedenen Techniken (z.B. innere Kind-Arbeit, Arbeit mit Anteilen … ) in hilfreiche Verhaltensweisen umgeleitet.

Etappe 4: Traumakonfrontation und Realisation
Mit Hilfe spezieller Techniken wird das Trauma noch einmal genauer betrachtet und durchgearbeitet.

Voraussetzung für die Durcharbeitung sind stabile Lebensumstände, äußere Sicherheit, ein guter Umgang mit dem Inneren, ausreichende Selbstfürsorge und Empathie mit sich selbst.

Etappe 5: Integration, Trauerarbeit und Neuausrichtung
In dieser Etappe wird das Erlebte in die eigene Lebensgeschichte integriert und abgeschlossen. Hier darf und soll das Betrauern all dessen, das nicht gelebt werden durfte oder das verloren gegangen ist, Raum bekommen.

Auch die Fähigkeit sich selbst zu trösten sowie Trost von anderen Menschen anzunehmen oder von Gott, dem Tröster zu erfahren, kommt in dieser Etappe zum Tragen.

Der Haltungswechsel vom Überleben zum Leben ermöglicht eine Neuausrichtung. Auch die Frage nach dem Lebenssinn und/oder über Gott können zu einer tieferen geistlichen Erkenntnis und zu größerer inneren Zufriedenheit führen.

Der Begriff »Posttraumatisches Wachstum« stammt aus der Psychologie. Er weist darauf hin, dass durch die Bewältigung der traumatischen Erfahrungen neue Ressourcen und Fähigkeiten entwickelt und genutzt werden. Der Mensch erlangt dadurch mehr Tiefe, Reife und Weisheit, die das Leben insgesamt bereichern.

Unser Glaube in der Traumabegleitung

Wir glauben an einen lebendigen Gott, der Heilung schenken will. Unser christlicher Glaube ist das Fundament unseres Lebens und Handelns. Deshalb beziehen wir die Gottesbeziehung als wertvolle Ressource in die Traumabegleitung und Traumatherapie mit ein.

Christliche Traumabegleitung

Das Konzept der christlich orientierten Traumabegleitung (CTB) verbindet wichtige Erkenntnisse der modernen Traumatherapie mit den Schätzen des Glaubens und dem, was durch göttliches Wirken möglich ist (Auszug aus CTB, Nestli, Ursula Roderus).

Die 1,5jährige Ausbildung zum traumazentrierten Fachberater ermöglicht die Traumabegleitung in den Etappen 1, 2, 3 und 5. Die Etappe 4 der Traumabegleitung dürfen nach dem deutschen Psychotherapeuten-Gesetz nur zugelassene Therapeuten und Heilpraktiker für Psychotherapie (HeilprG) durchführen.

Als Traumabegleiter i.A. (Joachim H. Büttner) und Traumatherapeutin (Irmgard King, HeilprG) greifen wir einerseits auf unsere vielfältigen systemischen Ausbildungen sowie Therapieausbildungen zurück und arbeiten andererseits methodenübergreifend. Wir setzen jedoch nur Methoden ein, die wir als sanft und hilfreich erlebt haben und die sich mit unserem christlichen Glauben und unserem Wertebild vereinbaren lassen.

Ihr Nutzen

Durch die Bewältigung der traumatischen Erfahrungen entwickeln Sie neue Ressourcen, Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie auf Wunsch eine stärkere und tiefere Gottbeziehung. In der Psychologie wird dieses Erleben als »Posttraumatisches Wachstum« bezeichnet.

Sie erfahren göttliches Wirken, erleben Wiederherstellung von Beziehungen und erlangen mehr Tiefe, Reife und Weisheit. Ihr Leben gewinnt an Kraft und Intensität.

Kosten

Einzeltermin:

€ 80,- je Std. à 60 Min.

Dauer: jeweils 90 bis 120 Minuten

Powertage mit mehreren Stunden über einen oder mehrere Tage verteilt sind möglich!