Leiden Sie an Folgen aufgrund einer traumatischen Erfahrung? 20 Fragen zur Selbstreflexion.
Es ist wunderbar, dass Sie sich die Zeit nehmen, sich mit sich selbst und Ihrem Erleben auseinanderzusetzen. Oft spüren wir, dass etwas in unserem Leben nicht ganz im Fluss ist, dass uns bestimmte Dinge immer wieder begegnen oder wir auf eine Weise reagieren, die wir selbst nicht ganz verstehen. Es kann sein, dass dahinter unverarbeitete Erfahrungen stecken, die als Trauma oder Traumafolgen bezeichnet werden.
Viele der hier genannten Punkte sind eigentlich gesunde Reaktionen auf ungesunde Ereignisse – das ist ein ganz wichtiger Satz in der Traumatherapie, der entlasten kann.
Diese Checkliste soll Ihnen eine erste Orientierung geben, ob Sie möglicherweise von Traumafolgen betroffen sind. Sie ersetzt natürlich keine professionelle Diagnose durch eine Traumatherapeutin oder einen Traumatherapeuten, kann Ihnen aber helfen, ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, was in Ihnen vorgeht.
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Ein Trauma entsteht, wenn ein Mensch eine Situation als extrem bedrohlich und überwältigend erlebt, die seine normalen Bewältigungsmöglichkeiten übersteigt. Es muss sich dabei nicht um ein einzelnes dramatisches Ereignis handeln. Auch wiederholte, chronische Belastungen – wie emotionale Vernachlässigung in der Kindheit, anhaltende Übergriffe oder ständige Unsicherheit – können tiefe traumatische Spuren hinterlassen. Das Nervensystem reagiert auf diese Erfahrungen mit Überlebensstrategien, die in der gefährlichen Situation sinnvoll und notwendig waren. Das Problem ist, dass diese Reaktionsmuster auch dann aktiv bleiben, wenn die eigentliche Gefahr längst vorüber ist.
Unser autonomes Nervensystem hat drei grundlegende Reaktionsmodi: Sicherheit und Verbundenheit (Entspannung, soziales Miteinander), Aktivierung und Mobilisierung (Kampf oder Flucht) sowie Immobilisierung und Erstarrung (Shutdown, Dissoziation). Bei einem Trauma wird das System in einen dieser Alarmzustände versetzt und kann häufig nicht mehr vollständig in den Ruhezustand zurückfinden. Das Nervensystem bleibt sozusagen auf "Gefahrensuche" eingestellt. Selbst harmlose Situationen können dann alte Alarmreaktionen auslösen – ein Phänomen, das Triggering genannt wird. Die Symptome, die dabei entstehen (Angst, Anspannung, Taubheit, Schreckhaftigkeit), sind keine Schwäche, sondern ganz normale Überlebensreaktionen auf außergewöhnliche Erfahrungen.
Traumafolgen zeigen sich auf vielfältige Weise und werden häufig nicht als solche erkannt. Viele Menschen leiden jahrelang unter Symptomen wie chronischer Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten, Beziehungsproblemen oder körperlichen Beschwerden, ohne zu ahnen, dass unverarbeitete traumatische Erfahrungen die Ursache sind. Typische Traumafolgen umfassen ein dauerhaft übererregtes Nervensystem (Hyperarousal) mit Angst, Schlafproblemen und Schreckhaftigkeit, aber auch Zustände von Erstarrung und Abflachung (Hypoarousal) mit Antriebslosigkeit und innerer Leere. Dazwischen können Intrusionen auftreten – ungewollte Erinnerungsbilder, Gefühle oder körperliche Empfindungen, die das Vergangene wieder lebendig werden lassen. Auch Schwierigkeiten in Beziehungen, ein geringes Selbstwertgefühl und Probleme mit der Selbstregulation sind häufige Folgen traumatischer Erfahrungen.
Wenn das Erleben zu überwältigend ist, schützt sich unsere Psyche durch Dissoziation – eine Art innere Abspaltung von Gefühlen, Körperwahrnehmungen oder der Wirklichkeit. Dies äußert sich in dem Gefühl, „neben sich" zu stehen, wie durch eine Glasscheibe zu schauen, sich selbst oder die Welt als unwirklich zu erleben. In seiner milden Form ist Dissoziation ein universeller Schutzmechanismus; in stärkerer Form kann sie das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen. Viele Menschen, die unter Dissoziation leiden, wissen nicht, dass dieses Phänomen eine häufige Traumafolge ist und sehr gut behandelt werden kann.
Traumatische Erfahrungen, besonders solche, die in engen Beziehungen stattgefunden haben (Bindungstrauma), hinterlassen tiefe Spuren in der Art, wie wir Beziehungen erleben. Das Urvertrauen in andere Menschen kann erschüttert sein, was es schwierig macht, echte Nähe zuzulassen. Viele Betroffene pendeln zwischen dem Wunsch nach Verbundenheit und der Angst vor Verletzung, Ablehnung oder Verlust. Sie können sich entweder überanpassen und eigene Bedürfnisse vernachlässigen, oder sie ziehen sich zurück, um sich zu schützen. Manche entwickeln eine tiefe Angst vor dem Verlassenwerden, die ihr Verhalten in Beziehungen stark bestimmt. Das Verstehen dieser Muster ist ein wichtiger erster Schritt zur Veränderung.
Es ist entscheidend zu wissen: Traumaheilung ist möglich. Das Gehirn und das Nervensystem besitzen die Fähigkeit zur Veränderung (Neuroplastizität), und mit der richtigen Unterstützung können traumatische Erfahrungen verarbeitet und integriert werden. Moderne Traumatherapieverfahren haben sich als sehr wirksam erwiesen. Heilung bedeutet dabei nicht, das Vergangene zu vergessen oder so zu tun, als wäre es nicht passiert. Heilung bedeutet, dass die Vergangenheit ihren Schrecken verliert, dass das Nervensystem wieder Sicherheit finden kann und dass das Leben in der Gegenwart wieder möglich wird. Wenn Sie sich in vielen Punkten dieser Checkliste wiederfinden und darunter leiden, ist es sehr ratsam, professionelle Unterstützung zu suchen. Sie sind nicht allein damit – und Sie verdienen Unterstützung auf diesem Weg.